nachrichten über die damara und nama – hans christian knudsen

 

TAGEBUCHAUFZEICHNUNGEN AUS DEN JAHREN 1844-45. (Aus Afrikanischer Heimatkalender, Windhoek – herausgegeben vom Kirchenbundesrat der Deutschen Kirchenbundes Sud – und Sudwestafrikas).

Knudsen, Hans Christian, geb. 18. März 1816 zu Bergen, von Beruf Litho­graph, kam im August 1836 ins Missions­haus der Rheinischen Mission in Elber­feld-Barmen und trat im Mai 1841 die Reise nach Südafrika an. Im Gefolge Kleinschmidts und C. H. Hahns erneuerte er die 1814 von Heinrich Schmelen begründete Mission in Be­thanien, weilte dort bis 1847 und trat dann eine Reise nach Europa an, von wel­cher er 1849 zurückkehrt.

Infolge Strei­tigkeiten mit dem Häuptling David Christian hielt er es für nötig, Be­thanien am 11. Februar 1851 zu verlassen, kehrte zwar nach einiger Zeit wieder zurück, gab aber bald seine Wirksamkeit ganz auf und schied nach kurzer Tätig­keit in der Kolonie (er wurde November 1852 nach Tulbagh versetzt) aus der Mis­sion und kehrte 1854 nach Europa zu­rück. Er begab sich nach seiner Heimat, wo er unter dem unstillbaren Drang zu evangelisieren ruhelos die Gebirge durch­zog, bis er auf einer solchen Wanderung im Mai 1864 in der Pfarre Hatfjelddalen wahrscheinlich tödlich verunglückte, da er seitdem verschollen blieb.

Knudsen ist Verfasser einer Uebersetzung des Lukas-Evangeliums in die Namasprache, eines Lesebuches und eines Buchstabierblattes in der Namasprache; diese Schriften sind 1846 in Kapstadt ge­druckt worden. Außerdem sind von ihm erhalten zwei Manuskripte in der Grey- Bibliothek Kapstadt. Eins enthält Auf­zeichnungen zur Geographie und Ethno­graphie des Groß-Namalandes, das andere ein umfangreiches Material zu einer Grammatik der Namasprache. Sein in Deuschland erschienenes Büchelchen: Groß-Namaqualand, Barmen 1848, ent­hält nur dürftige geographische Notizen.

Im folgenden bringen wir aus dem Ta­gebuch von 1844 einige Bemerkungen über die Damaras, Nama und Busch­männer, sowie ihre Lebensweise, ihre Sit­ten und Gebräuche. Knudsen setzt sich dann verschiedentlich mit einem Aufsatz im Monatsblatt der Rheinischen Mission vom März 1841: „Nachrichten von Kapi­tän Alexander“ auseinander.

 

Vermutungen über die Herkunft der Volksnamen.

Eigentlich gibt es wohl kein Volk, das sich mit dem Namen Damras nennt, wie ein Be­richt behauptet, aber auch der Name Damras oder gar Damaras und Dambaras ist ver­derbt. Dieser Name ist nur in der Namaquasprache üblich und wird zur Benennung der Vieh- und Bergdamras gebraucht. Wenn mei­ne früher ausgesprochene und mit biblischen und anderen Gründen belegte Meinung, daß die Namaquas Abkömmlinge der Juden sind, sich bewährt, dann scheint dieser Name sich von Damaskus zu schreiben (!).

(Zu der Frage über die Herkunft der Hot­tentotten äußert sich auch Huge Hahn: „Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß die Grenze des Hererolandes südlich von Rehoboth war. Daß die Bergdamras und Omuherero ein und derselbe Stamm sind, ist auch außer Zweifel, was beide Stämme auch nachweisen. Die Scheidung zwischen ihnen muß vor langer Zeit vorgefallen sein. Ueber die Verhältnisse des Landes und der Einwohner: der Nama­quas, Buschmänner, Omuhereros und Berg- damaras schwebt noch ein Dunkel, so daß etwas Sicheres und durchaus Begründetes sieh vielleicht nie angeben lassen wird. Mir ist wahrscheinlich, daß die Namaquas vom Kap kommen und eigentlich Fremdlinge in Afrika sind, womit auch eine ihrer alten Sagen über­einstimmt; welchen Ursprungs, läßt sich schwerlich bestimmen. Meine Meinung ist, daß sie Abkömmlinge gestrandeter Phoeni­zier sind, die ja bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. unter Pharao Necho Afrika umschifft haben sollen. Dafür spricht auch, „daß in der altphoenizischen Sprache die Schlange Aub genannt wurde. Der Schlangen- oder Teu­felsdienst war in ganz Kanaan vor Einwan­derung der Juden zu Hause und die Priester der Schlange wurden Priester des Aub ge­nannt. Mehrere Stellen des Alten Testaments deuten darauf hin, auch die der Hexe zu En- dor oder der Priesterin des Ob oder Aub“ (History of the Jews). In der Namaquasprache heißt Schlange ebenfalls Aub. So wären denn vielleicht die Hottentotten (der fälsch­liche Name für die drei Stämme, von denen alle die anderen abstammen, nämlich der Ko- ra, Gora und Grika) Bastards der Phoenizier und der eigentlich schwarzen Bewohner Af­rikas. K n u d s en hält sie für Israeliten.“ (Brief Hahns, Neu-Barmen, 20. April 1845.)

Im Gegensatz zu den Bergdamras werden üe Viehdamras Ebene-Damras von den Eu­ropäern genannt. Denn diese wohnen eben­soviel in bergigen Gegenden wie jene.

Die Unterscheidung Groß- und Klein-Nama- quas, Groß- und Klein-Namaqualand kennt der Namaqua ebenso wenig wie jene die oben­erwähnte. Mit Bezug auf das Land unterschei­den die Namaquas meist nur diesseits und jenseits des Oranjeflusses oder Garib.

Die Unterscheidungsnamen der Xamaquas für die Damras sind bezeichnender, nur etwas grob. Die Bergdamras nennen sie Choudaman, d.h. Dreck-Damras. nicht, weil sie sich mit „Mist bemalen», sondern, weil sie, mit Re­spekt zu sagen, ihren Abtritt kurz vor der Tür haben (?). Sie selbst nennen sich Daman, Damas. Damab usw. Den Volksnamen der Viehdaman kenne ich nicht; sie werden wohl einen haben, aber man bekommt nur Stamm­namen von ihnen zu hören. Der Nama nennt die Vieh- oder Ebene-Daman mit dem Na­men Kamacha-Daman, welches „Viel-Rind- vieh-Daman“ heißt.

N.B. Wenn ein Europäer die richtige Bie­gung des Genus dieser Namen gebrauchen will, so muß er einige Kenntnisse der Nama-quasprache besitzen.

Jagdmethoden

Von den Bergdamras mögen wohl einige Hunde halten, und wenn sie keine hätten, so ließe sich daraus nicht schließen, daß sie nicht jagen. Zum Jagen des Wildes haben sie Hun­de nicht nötig, denn ihre Jagd besteht im Zäunemachen von Dornbüschen, die im Zickzack über den Bergpaß, wo das Wild hin­durch muß, wenn es gejagt wird, ange­legt werden. Sie machen auch solche doppelte, von zwei Bergen ab und das Tal entlang im­mer enger zulaufende und sich endlich schlie­ßende Hecken, an deren Zusammenlauf viele Fallöcher angebracht sind. Ihre Jagd besteht dann darin, daß sie das Wild in den Bereich dieser Hecken hineintreiben; die angestellten Wächter längs der Hecke treiben oder scheuchen es dann weiter, bis es bei den Fallöchern, wo die Hecke immer niedriger gemacht ist, überspringt und in die draußen angebrachten Löcher hineinstürzt.

Dies ist die Arbeit der Männer, und wenn man be­denkt, daß sie diese Löcher, wo Zebras, Gems-böcke, Kudus usw. Platz genug haben, um hineinzustürzen, und die fast stundenweite Hecke mit den geringsten Werkzeugen, meist nur scharfen Steinen statt Beilen, mit Stökken und Händen anstatt Picken und Schau­feln machen, so wird man finden, daß sie durchaus nicht für „ein Volk, das nur so in den Tag hinein ohne Arbeit lebt“, zu halten sind. Kleinere Berge umzäunen sie ganz am Fuße für kleineres Wild. Auch verstehen sie verschiedene Arten von Fallen und Stricken für Pfauen und andere Vögel und dergleichen zu legen.

Kleinschmidt beschreibt diese Wild­zäune in seinem Tagebuche über seine Reise von Bethanien nach Eickhams. Die erste Art ist folgende: Die Leute machen mitten im Wildfelde zwischen zwei Bergen einen ge­schlängelten Zaun und an jedem Ellenbogen oder Knie auf der Außenseite ein tiefes Loch, in welches das Wild hineinspringt, weil es beim Hinübersetzen über die Hecke gewöhn­lich in die Ecke läuft, wo der Zaun zum Hin­überspringen niedriger ist.

Die zweite Art ist folgendermaßen: „Die­sen Fangkral machen sie wie den obigen aus Dornen, vier bis sechs Fuß hoch. Die zwei großen Arme können zuweilen. meh­rere Stunden lang sein, und zwar der eine länger als der andere, weshalb sie jenen den Männerarm, diesen den Frauenarm nen­nen. Die Arme beginnen gewöhnlich in der Ebene, wo sich viel Wild aufhält, können aber auch über Berge und Täler laufen. Die Arme sind gewöhnlich im Verhältnis zu der Länge eine viertel bis eine halbe Stunde auseinander.

Die enge Gasse am Ende ist oft nur 4 bis 6 Fuß breit und läuft gewöhnlich bergab, um das Wild besser in die Flucht jagen zu können. Am Ende des Halses sind nach außen Löcher, oft so groß und tief, daß auch Großwild, wie Rhinozerosse, Elefanten und andere hinein geraten, jedoch nur mit den Beinen, aber wegen ihrer Unbeholfen- heit nicht wieder hinaus können. Die Elefan­ten helfen sich hinaus. An und in Verbin­dung mit der Hecke sind kleine Hüttchen, in denen die Leute zum Scheuchen oder Hetzen des Wildes sitzen, wenn es von den Jägern aus dem Wildfelde in die Umzäunung hinein­getrieben wird. Mit dem Hineintreiben ver­fahren sie langsam und behutsam, aber so­bald es innerhalb der Zäune ist, dann er­schrecken sie das Wild, was besonders durch

die Leute in den Hüttchen fortgesetzt wird. Und kommt das Wild endlich in die enge 100 Fuß lange Straße, dann wird es vollends scheu und ängstlich und sucht am Ende mit Gewalt hinaus zu kommen und steigt über die vor den Löchern niedriger angelegte Hekke und stürzt in die oft so vollen Löcher, daß die letzten darüber weglaufen, und es wird dann getötet.“

Gegen ungerechte Vorwürfe

 

«Viehzucht treiben sie nicht“, weil sie kein Vieh haben, sonst würden sie wohl wie viele Buschmänner es gern treiben. „Acker­bau“ treibt niemand in Groß-Namaqualand, es möchten denn gerade an den Missionssta­tionen die Gartenanlagen sein, weil das Land zum Ackerbau meist überall ungeeignet ist. „Tabakpflanzen“ ist fast das einzige, was ge­trieben wird, und in diesem Stück sind ge­rade die Chou-Damras am weitesten.

Die Namaquas beziehen ihren meisten Tabak von ihnen, und nach einem Stück zu urteilen, das ich davon gesehen und geraucht habe, ver­stehen sie ihn meisterhaft zu verschwitzen, daß er dem echten amerikanischen fast nicht nachsteht. Die Frauen und Kinder sind fast den ganzen Tag im Felde beschäftigt, Zwie­beln zu graben, die Männer am Tabakbereiten, Zäune machen, Honig suchen, Honigjagd ge­nannt, usw., so daß dies Volk geradezu von allen hier zu Lande das arbeitsamste genannt zu werden verdient und mit großem Un­recht das Prädikat „ein Volk (auf der niedrig­sten Stufe menschlicher Bildung), das nichts als essen, trinken und tanzen kennt“, „das in den Tag“, „dumpf und stumpf dahinlebt“ er­hält.

Daß sie Mäuse und Eidechsen essen, beson­ders eine Art der letzteren „Nonaib, ist wohl wahr, jedoch Mäuse essen sie fast alle hier zu Lande; die Chou-Damras essen auch Hyänen, Tiger, Schakale, Löwen und alles, was nur Fleisch ist, habe ich mir erzählen lassen, wie auch die Buschmänner, wenn sie der Hunger plagt. Aber was und wie man essen kann, wenn der Hunger plagt, wie sie sagen, davon habe ich selbst eine ungefähre Idee auf der Reise bekommen: Ein Orlam hatte, als wir, Bruder H. Hahn und ich, ihn auf einer früheren Reise antrafen, seine Schuhe ge­braten und aufgegessen und wollte jetzt an die Fellhose gehen.

Aber dies ist natürlich nicht Sitte, und man würde sehr unrichtig schließen, wenn man nach diesem einzelnen alle Orlam beurteilen und sagen wollte, sie braten ihre Fellschuhe und Fellhosen und es­sen sie auf. Der Gummi, ganz wie der arabi­sche oder besser noch als dieser, mit welchem unsere Rivierbäume reichlich versehen sind, liefert ihnen im größten Hunger ein kümmer­lich hungerstillendes Mittel. Sie können lange, wohl eine ganze Woche hindurch, hungern und binden dann einen Riemen um den Magen, aber sie können dann auch schrecklich wieder essen.

Lebensweise

Was die Sitten betrifft (Heiratsgeschenk, besonders von Zwiebelen, Fellen, Pfeilen und Bogen), die Tänze (die Frauen im Halbkrei­se schreien, während die Männer den Stampf- tanz aufführen), Spiele (die Gora, ein Bogen mit einer daran befestigten Straußenfederspu­le, die angeblasen wird), mag richtig sein, denn darin herrscht große Unbestimmtheit, die mit ihrem Naturleben zusammehängt.

Das Urteil, daß die Chou-Damras nicht der Spra­che nach (denn sie sprechen die Namaqua- sprache), sondern „der Leibesgestalt nach eine Verwandtschaft mit den nördlicher woh­nenden Negerstämmen haben, da sie glän­zend schwarz von Farbe sind und auch her­vortretende Schienbeine haben“, ist richtig. Sie gehören, wie sie auch selbst behaupten, zu den Kamach-Damras, wiewohl diese es der Chou-Damras Armut wegen nicht zugeben wollen.

Die Meinung wird also sein, daß die Berg- oder Mist-Damras einzig und allein in der Sprache und Sitte mit den Namaquas ver­wandt sind und sonst in keinerlei Weise. Was weiter von ihren Häusern gesagt wird (ke­gelförmig, aus Stangen mit Rasen belegt und alle im Zirkel, mit einem offenen Tanz­platz), ist ebenfalls richtig, nur daß diesel­ben nicht mit Steinen beschwert wer­den, um das Abwehen zu verhindern. Die Viehdamra-Bauart unterscheidet sich von der der anderen durch eine Art Fundament von Steinen. Die Namaquas legen wohl, wenn der Wind heftig ist, einen Riemen über ihre Mattenhäuser und befestigen einen gro­ßen Stein an beiden Enden, um das Weg­wehen des Hauses zu verhindern, welches dennoch zuweilen nicht hindert, daß der Wind das Ganze wegweht.

Die Bergdamras bauen ihre Häuser, Werften oder Dörfer, wenn sie auch in der Ebene hausen, also, daß sie eine freie Aussicht haben, wahrscheinlich, um den Feind bald gewahren zu können.

Farbe. Die natürliche Farbe dieser Völker ist eigentlich schwer richtig anzugeben, denn sie ist entweder wie die der Bergdamras von Asche, Staub und Erde ins Graue oder wie die der Viehdamras von Ocker ins Röt­liche fallend. Die Berg- und Viehdamras ha­ben eigentlich, wenn sie beide gewaschen sind (was selten der Fall ist), dieselbe schwar­ze, ein wenig glänzende und ins Rötliche schimmernde Farbe. Die gewöhnliche Farbe der Bergdamras wird dem Anschein nach von Asche und Erde verändert. Die natürliche Farbe der Buschmänner und Namaquas usw. ist beinahe die eines Europäers, nur etwas schmutziger oder dunkler, die Farbe ihrer Erscheinung aber voller Staub und Asche.

Charakter.  Der Charakter dieser Völ­ker ist natürlich schwer richtig anzugeben, aber soviel ich sie kenne, scheint der Haupt­charakter der Viehdamras sanguinisch, chole­risch, der der Bergdamras melancholisch, phlegmatisch und der der Hottentotten san­guinisch-phlegmatisch zu sein.

Statur. Unter allen steht wohl der Vieh-damra als der an Leibesgestalt größte und schönste obenan. Ihm folgt wohl der Berg-damra und diesem der Hottentott. Unter den Hottentotten ist vielleicht der Busch­mann, besonders die Frau, am kleinsten, na­türlich erleiden diese Bezeichnungen sehr vie­le Ausnahmen.

Gottesbewußtsein. Wenn nicht Rö­mer 1,19 stünde, daß Gottesbewußtsein von Gott selbst allen Menschen geschenkt sei, so sollte man hier fast auf den Gedanken ge­kommen sein, daß es Menschen, ja ganze Völker gebe, die kein Gottesbewußtsein ha­ben. Dies Bewußtsein ist jedoch in solchem Grade bei ihnen vernachlässigt, daß man bei­nahe Mühe hat, die Spuren desselben nach­zuweisen.

Die Viehdamras wissen freilich, daß der Segen von oben herkomme, daß es einen gro­ßen Geist, Gerechtigkeit und Gericht gebe. Sie haben die Beschneidung (soviel mir be­kannt, ohne gottesdienstliche Begriffe davon) und sonst weder Gottesdienst noch eigent­lichen Götzendienst, es müßte denn der pantheistisehe oder Rindvieh-Götzendienst sein, der sich bei ihren teuflischen Tänzen zu­weilen zu offenbaren scheint.

Bei den Bergdamas fällt es noch schwe­rer, diesen Spuren von Gottesbewußtsein nachzugehen. Sogar die Unsterblichkeit scheint ihnen fremd zu sein, und man wird fast getrieben, ihr Gottesbewußtsein nur in den Gedanken, die einander gegenseitig ver­klagen oder entschuldigen, dem Gewissen — Römer II,15 —, zu suchen. Sie sind wie die Viehdamras ohne Gottes- und Götzendienst, wenn man den Fetisch- oder Glücksdienst, durch Anhängen von allerlei, auch den ge­ringsten Dingen, an ihren Körper, um Glück zu haben (Beinchen vom erlegten Wild, Och­sengalle auf dem Kopf und der gl.), nicht zum letzteren rechnen will.

Bei den Namaquas und übrigen Hottentot­ten fällt es uns ebenso schwer, Spuren von Gottesbewußtsein anzugeben. Das Gewissen ist zwar das größte und ersprießlichste dieses Bewußtseins, und das besitzen die Hottentot­ten wie alle Völker, aber neben diesem möch­te man gern eine Aeußerung desselben im Aeußeren sehen, und das ist bei diesen nicht zu finden. Das einzigste dieser Art liegt viel­leicht in der Geschichte von Heizi-Eibib, den sie zwar nicht für Gott, aber auch nicht für einen bloßen Menschen —, ja sie wissen selbst nicht, für was — halten. Vielleicht aus Gründen Joh. I ,4,5,9,10. Das einzig Gewisse von ihm ist, daß er tot gewesen, wieder le­bendig geworden sei und im ganzen Lande seine Gräber habe, die sie mit Büschen und Steinen beim Vorbeigehen bewerfen, um Glück zu ihrem Vorhaben zu gewinnen. Sie fürchten sich vor Zauberei.

Koi-koin oder Hottentotten. Der Na­me Hottentott ist der Namaquasprache fremd. Sie selbst nennen sich Koi-Koin. Dies ist der eigentliche Gemein- oder Volksname. Koi heißt Mensch; koin, dieselbe Endung des Comm.Plur., also:          Mensch-Menschen oder  Mensch der Menschen,

wozu alle ihre Stäm­me, Orlams, Namaquas, Korannas, Griquas, Buschmänner, Nawissen usw., die Berg- und Viehdamaras ausgenommen, gerechnet wer­den.

 

Fabeln

Die Koi-koin oder Khoi-Khoin haben viel Fabeln, die man aber selten und meistens nur von den Allerältesten unter ihnen zu hören bekommt, worunter, viele absurde, auch au­ßer denen von Heizi-Eibib, sind. Zwei der besseren oder besten will ich hierher setzen: Der Mond sagte zum Hasen: „Sage den Menschen, wie ich sterbe und wieder leben­dig werde, so sollt ihr auch sterben und wie­der lebendig werden.“ Der Hase ging, aber sagte: „So wie ich sterbe und nicht wieder lebendig werde, so sollt ihr auch sterben und nicht wieder lebendig werden.“ Als er zurückkam, fragte ihn der Mond, wie er ge­sagt hatte, und als der Hase ihm diese Ant­wort gab, schlug ihn der Mond mit einem Stock auf seinen Mund, daß er spaltete. Da­her kommt sein gespaltener Mund, und dar­um ist er so furchtsam. Darum sind ihm die Namaquas (und alle Koi-Koin) so böse. Nie­mand mag ihn anrühren, viel weniger essen.

Eine andere: Die Bienen fragten die Flie­gen, ob sie nicht auch Honig suchen wollten. Sie antworteten: „Ja ! Ihr könnt ihn im Felde an den Blumen suchen, wir wollen ihn am Munde der Kinder suchen“, und von da an plagen die Fliegen so sehr, wenn die Kin­der Honig essen.

Sie haben viele Sitten, die eigentlich jü­disch genannt werden müssen, welches mich auf die früher ausgesprochenen Gedanken, daß sie Abkömmlinge der Juden sind, gebracht hat.

 

Etwas Näheres über die Namaquas.

Die Namaquas beschmieren sich nie so greulich wie es in Berichten geschildert ist, zum wenigsten nie mit Kuhdünger. Der Schreiber hat vielleicht einen sich damit wa­schen sehen; besonders, wenn man mit Fett, Teer usw. besudelt ist, liefert der Kuhmist eine gute Seife in Ermangelung eines Besse­ren, aber sie färben sich nie damit. Wenn sie sich rot und schwarz bemalen, so besteht dies meist nur in einem Streifen die Au­genbrauen und die Nase entlang und an den Backen.

Mir sind zwar nie welche vorge­kommen, die rot oder schwarz zugleich be­malt waren, und in den zwei Jahren nur zwei, die einen roten Streifen an den Haaren hatten. Viele ließen sich früher mit zwei oder drei kurzen (1/8 Zoll langen) Streifen täto­wieren, besonders zwischen den Augen und an den Backen. Die Buchupflanze ist ihr La­vendel, mit welchem sie sich einreiben, weil sie einen fast unausstehlichen Geruch ha­ben (wenn man in ihrer häuslichen Umgebung sein muß), wieviel sie sich auch waschen mögen.

Frauenarbeit

Die Sorge für das Vieh und das Melken sowie die Bereitung der Felle (nicht der Kleidung) liegt den Frauen ob, denn die Männer schneiden und nähen in der Regel die Kleider selbst. Die Männer haben erst angefangen Kleider zu tragen. Unser uner­müdliches Treiben ist, auch die Frauen da­zu zu bringen, aber es hält schwer, weil sie das Nacktlaufen, d.h. mit Vor- und Hin- terkarros, gar zu sehr vorziehen. (Ueber die Kleidung und Beschäftigung der Nama- frauen äußert sich K n u d s e n auch in sei­nem Büchelchen (Groß-Namaqualand): ,Hier zu Bethanien fand ich unter den Frauen, als ich kam, nur eine, die mit einem Fellrock ge­kleidet war, eine von den vier Erstlingen, die reinlichste in Bethanien. Die übrigen gingen nach Namaquasitte mit einem handbreiten Fell vorn und einem etwas breiteren hinten.

Die Männer, die noch nicht lederne Hosen, kurze Jacken mit breitkrempigen Hüten und selbstgemachten Fellschuhen trugen, wie es jetzt mehr Mode ist, hatten nur vorn ein handbreites und hinten ein zweistreifiges, et­wa eine Spanne langes Fell, das oben am Leibgürtel oder Riemen befestigt war. Die Matten für ihre Hütten, sechs bis acht und mehr Ellen lang, werden von rohr ähnlichem, eine Elle oder mehr langem Grase, welches in den Regenflüssen gefunden wird, von den Frauen verfertigt. Den Bindfaden, den sie durch das Stroh mit Hilfe einer einem höl­zernen Tischmesser ähnlichen Nadel an meh­reren Stellen stechen, bereiten sie von dem Bast der Dornbäume durch Kauen und Dre­hen mit den Fingern auf den Knien, und so reihen sie Stroh an Stroh.’)

Daß der Namaqua bei seiner leidenschaftlichen Rauchlust keinen Anstand nehmen würde, seine eige­nen Kinder usw. hinzugeben, um Tabak zu bekommen, ist gar zu unrichtig, denn diese sind ihm, was den Königen ihre Prinzen und Prinzessinnen sind. Im höchsten Falle würde er vielleicht keinen Anstand nehmen, ein geraubtes Damrakind zu verkaufen, wiewohl mir derartiges nie vorgekommen ist.

Die Na­maquas, besonders die Frauen, sind gar zu kinderlieb. Die geraubten Damrakinder wer­den zwar als Diener, aber dennoch wie Kinder gehalten. Möchte jenes von einem Ausbund unter ihnen behauptet werden, so darf es doch nicht aufs ganze Volk angewandt wer­den. Außer dem, daß ein Ochs nicht alles tragen kann (z.B. die Matten und Zweige der Hütten, den Hausrat, die Kinder, eines hin­ter dem anderen) und deshalb ein Haus mit Zubehör schon zwei und mehr Ochsen erfor­dert, ist noch zu erwähnen, daß die Frau eines Namaquas, die so viel Sorge für das Häusliche trägt, daß sie ein Mattenhaus baut, wohl nie die Packochsen treibt, sondern ebenso gravitätisch neben ihrem Herrn rei­tet, wie er selbst.

Dazu sind sie zu hoch­mütig, und Dienstleute haben sie in der Re­gel genug. In Ermangelung dieser mögen sie es wohl beide tun.

Lebensgewohnheiten

Drei Namaquafiguren mögen als die na­türlichsten dargestellt werden: 1) die Frau am Feuer sitzend, rauchend, schwatzend und sich wärmend (zwei- oder drei- oder mehr­mal wird der Mund recht voll Rauch gemacht, dieser geschluckt, und dann geht die Pfeife weiter).

2) Der Alte auf seinen langen Kirri oder Stock gestützt, mit übergeworfenem Karros und mit dem an einem Stöckchen be­festigten Schakalschwanz zum Abwischen des Schweißes, und 3) die junge Tochter mit ei­nem Fell über den Schultern, Arm- und Bein­ringen von Kupfer, Eisen, Messing, nicht El­fenbein, und nicht Haarschmuck durch Ein­fügen von Muschelschalen, welch letzteres zur Sitte der Viehdamras gehört, Ohrengehäng (meist von Messing), Glasperlen, Hinter- und Vorkarros, an welch letzterem zwei oder mehr Reihen Eisenperlen herabhängen. Der ganze Vorkarros, wenn er nicht aus einem Lamm­fell besteht, ist von einem Fell gemacht, das in lange, oft bis zu den Aenkeln herabhän­gende Riemen geschnitten ist. Beim Gehen und Laufen schlenkern und rasseln sie um die Beine herum.

Sowohl die Männer als Frau­en haben andere und auch einfache Arten von Vorkarrossen. Ihre Gestalt ist mittelmäßi­ger Art, einige hübsch, andere haben ein gar zu großes Gesäß. Einige Frauen haben unglaublich schwer herabhängende Brüste und dicke Beine. Im ganzen sind sie mager, ha­ben alle kurz geknülltes Haar und die Män­ner wenig Bart, die Nase ist gewöhnlich platt­gedrückt und die Backenknochen vorstehend. Wenn die Frauen die Karrosse nähen, Felle bereiten, Seife kochen, melken, rauchen, es­sen, schlafen usw., so ist ihre gewöhnliche Hauptbeschäftigung auch diese, ihre Karros­se vom Ungeziefer zu reinigen.

Dies sehen sie mehr als Ehrensache an, weil es zu ihrer Reinlichkeit gehört. Was ich geschrieben ha­be, gilt von rohen, natürlichen Namaquas; bei den getauften findet, Gott sei Dank, vieles nicht mehr statt. Der Namaqua ist übrigens unter allen noch der reinlichste und fleißig­ste, sich zu waschen, wiewohl ich jetzt auf der Reise einen traf, der etwa 35 Jahre alt war und sich in diesen Jahren zweimal ge­waschen hatte (soweit er sich zu erinnern wußte). Hat der Namaqua auch Vieh, wie gewöhnlich, so ist Milch seine Hauptnahrung, welche er jedoch nicht Speise nennt. Er sagt daher, wenn er vier Wochen ohne Fleisch ge­wesen ist, daß er in vier Wochen nichts ge­gessen habe. Ist er nicht gar zu verarmt oder seine Frau gar zu unordentlich, so wohnt er in einem Mattenhause, sonst etwa wie die Bergdamras.

Die jungen Namaquas oder das jetzt heranwachsende Geschlecht der Nama­quas sieht man öfter mit seiner Frau und nacktem Ochsentreiber und Gewehrträger hinter sich. Sie schaffen sich jetzt fleißig Pferde und Gewehre an, besonders zur Jagd, von welcher Beschäftigung sie große Lieb­haber sind. Die alten Namaquas haben wie die Buschmänner die greuliche Sitte, zuwei­len ihren kleinen Finger abzuhauen. Wenn die Erwachsenen es tun, so ist es meist ein Aderlässen, bei ihren kleinen Töchtern aber ein Zeichen oder Glücksmittel (sie lassen auch auf andere Weise Blut). Die Koi-koin ha­ben alle das Gora-Instrument und vielerlei Einerlei-Tänze.

 

Ueber die Buschmänner und ihr Wild

Der Buschmann erscheint gern in seinem Jagdharnisch. Er hält Bogen und Pfeile unter dem linken Arm, während er in der rechten Hand den ausgestopften Straußenhals hält, den er vor und rückwärts bewegt, indem er lang­schreitend sich dem Wilde nähert. Er hält sich immer unter dem Winde, d.h. in solcher Rich­tung, daß der Wind seinen Geruch nicht dem Wilde zuträgt, welches, solange es den Ge­ruch von Menschen (wie auch ihm feindli­cher Tiere) nicht bekommt, sich etwas neu­gierig verhält. Das Wild bleibt in Gesellschaft, teils aus Freundschaft, teils aus Mordsucht und Schmarotzerei.

Aus Freundschaft blei­ben z.B. alle grasfressenden Tiere: Rhinoze­ros, Springbock, Gemsbock, Steinbock, Klipp­bock, Duiker, Giraffe, Strauß, Zebra, Kudu, Gnu, Elefant, Hirsch (oder Hartebeest), Elentier, Büffel usw. zusammen. Man findet sie jedoch sehr selten alle auf einem Haufen zu­sammen. Zebra, Springböcke, Gnus und Strau­ße findet man oft zusammen, aber ebenso oft allein. Aus Mordsucht bleibt der Löwe, Le o p a r d usw. gern in der Nähe des Ze­bras usw., doch immer unter dem Winde. An das Rhinozeros und den Elefant wagt sich auch der Löwe nicht gern. Aus Schmarotze­rei bleibt der Wolf, d.h. die Hyäne, gern mit dem Löwen zusammen, wohlweislich immer unter dem Winde, und der Schakal ebenso weislich unter dem Winde von diesem.

Wenn der Löwe schlachtet und übrig läßt, so ist die Hyäne bald der erste Gast, und was diese übrig läßt, frißt der Schakal; man denke sich natürlich diese nicht immer in solcher Ord­nung hintereinander hergehend. Sie sind eben­so oft allein und suchen ihren eigenen Raub. Der Wolf (die Hyäne) muß sich für seine Schmauserei gefallen lassen, daß der Löwe, wenn er seiner habhaft werden kann, beson­ders wenn er diesen großen Herrn beim Es­sen zu sehr stört, ihm alle vier Füße in Stükke beißt und ihn so lebendig seinem Elend überläßt.

Jagderlebnisse

Mein Dolmetscher Paul Bantam fand einmal auf der Jagd einen solchen verun­glückten Schmarotzer. Er lebte noch, konnte aber nicht von der Stelle kommen. Diese Raubtiere kommen immer unter dem Winde, wenn sie Angriffe tun, um nicht gerochen zu werden. Wenn es gejagt wird, läuft alles größere Wild gegen den Wind, um den Ge­ruch zu bekommen, und sollte es auch bei dem Jäger beinahe vorbei müssen. Nur für einen Augenblick, durch Schüsse usw. er­schreckt, nimmt es zuweilen den Lauf mit dem Winde, aber kehrt sich bald wider den­selben. (Natürlich nicht für Nimrode geschrie­ben !)

Wenn das Wild im Felde angetroffen wird, flieht es gewöhnlich, sobald es den Geruch von Menschen bekommt. Der Löwe aber ist nicht so barmherzig, und wenn er am Wege angetroffen wird, so ist es weder ratsam, bei ihm kurz vorbei zu gehen noch zu fliehen, sondern todstill auf der Stelle zu sitzen oder stehen zu bleiben, bis er selbst re­tiriert. Er kann aber zuweilen einen schreck­lich langen und ängstlichen Aufenthalt ma­chen. Das Rhinozeros, das durch Schuß usw. gereizt wird, fängt zuweilen zu jagen an und ist dann sehr gefährlich. Ein leichtsinni­ger junger Mensch, P i e t (des alten Jan Sohn), war vom Pferde abgesprungen und schoß nach ihm, aber ehe er recht wieder aufs Pferd kam, war das Rhinozeros schon bei ihm, faßte mit dem Horn das Pferd von hinten und warf es in die Höhe und den Rei­ter aus dem Sattel.

Dann wollte es noch den armen P i e t durchbohren, schoß aber fehl und stürzte mit den Vorderfüßen über ihn hin, den armen Piet rollend, worauf es ihn sogleich wieder (indem es die Flucht nahm) mit den Hinterfüßen an seinen vorigen Ort schob. Piet sagte, er wäre am ganzen Leibe wie geraspelt gewesen. Das Pferd krepierte. Man sagt, daß das Rhinozeros kleine Wächter (ein Art kleiner Vögel) auf dem Rücken ha­be, die es, weil es so schlecht sehe, durch Singen und Auffliegen zur Wehr auffordern. Das Rhinozeros soll einige Aehnlichkeit mit dem Schwein haben.

Es hat aber Hörner, und diese stehen an der Nase kurz bei den Nasen­löchern, das größte unten, das kleinste kurz darüber. Ich habe es nicht ganz in der Nähe gesehen und kann deshalb weder eine genaue Zeichnung noch weitere Beschreibung lie­fern. Von dem zornwütigen Pflügen der Erde mit seinem langen Horn erscheint der Boden gleich wie vom Zwiebelgraben der Bergdamras manchmal wie umgewühlt. Eben­so geht es mir mit dem Gnu. Es gleicht einem Ochsen oder ist ein Mittelding zwi­schen Pferd und Ochs. Die Hörner entsprin­gen fast aus einem Stamm, machen erst eine kleine Biegung nach hinten, dann mit den Spitzen gegeneinander eine runde horizontale Biegung nach vorn. Seine Farbe scheint glänzend dunkelgrau zu sein.

Das Rhinozeros ist heller. Wenn es gereizt, besonders durch einen Schuß verletzt wird, geschieht es wohl, daß es auch auf seinen Jäger losgeht und ist dann gefährlich. Aber noch viel gefährlicher ist der Büffel. Seine Gestalt soll die eines großen Ochsen sein. Wenn dieser jagt, muß man sich schnell in eine große Vertiefung der Erde niederzulegen suchen. Sein erstes Werk ist dann gewöhnlich den Menschen hinauszu­stoßen, und da er mit den Hörnern nicht stechen kann, weil sie auch ungefähr wie die des Gnus gebildet sind und überglitschen, so gelingt ihm dies nicht immer.

Er weiß aber auch eine andere Art, und diese besteht in einer höchst lästigen Gefälligkeit. Er fängt nämlich mit seiner scharfen Zunge an zu lecken, erst die Kleider, aber bald auch die Haut. Ein armer Mensch war aus Furcht vor ihm in einen hohlen Baum geflohen. Als der Büffel ihm nicht anders beikommen konnte, begann er ihn durch die Oeffnung am Bau­me zu lecken; der arme Mensch drehte ihm bald diese, bald jene Seite zu, aber es blieb ihm dennoch nicht viel mehr als die Knochen übrig (ich gebe es, wie ich es als Erzählung empfangen habe, als glaubwürdig).

Die Tiere haben mancherlei Manieren. So gräbt z.B. der große Elefant seine Jungen zuweilen in ihren Misthaufen (sie haben zu diesem Zweck ei­nen bestimmten Ort, oder mehrere, wie auch das Rhinozeros) bis unter die Ohren ein, der Rüssel bleibt draußen, und er geht dann auf die Weide und nach dem Wasser. Ein na­seweiser Löwe kommt einmal an einem sol­chen vergrabenen Kleinen vorbei, schnauzt hin und her am Misthaufen, geht bei ihm vorbei, kehrt wieder zurück und greift den Rüssel an. Der junge Elefant aber faßt mit dem Rüssel den Löwen, hält ihn und schreit was er nur kann. Bald kommen die Ele­fanten herbeigelaufen und stampfen den Lö­wen tot. Das Stampfen ist ihre gewöhnliche Weise. Dieses sah meines Dolmetschers (Paul Bantam) Vater von ferne, als er einmal auf der Jagd war, und ist ebenfalls glaub­würdig.

Der Wolf (die Hyäne) hat die Gewohn­heit, Kinder, wie auch alte Leute, besonders auch Kranke aus den Matten- und anderen Häusern des Nachts zu stehlen. Er kehrt ge­wöhnlich nicht wie der Löwe durch die Wand, sondern denselben Weg wieder hinaus, den er hereinkam, aber stößt auch zuweilen wie jener, indem er das geraubte Kind oder der­gleichen vor sich hält, die überstehende Wand durch, indem er sich schnellhinkend mit sei­nem Raube weiter verfügt.

Die Hunde wer­den an ihn bald so gewöhnt (aus Freund­schaft oder Furcht), daß sie ihn nicht einmal jagen mögen. Er faßt oft einen Karros statt der richtigen Beute. Einer gläubigen kran­ken Frau stahl er vor kurzem einen Karros auf diese Weise; sie sagte aber dabei: „Er komme bald wieder und nehme mich auch. Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein.“

Der wilde Hund wird für den ärgsten Räuber gehalten, weil man ihm so schlecht beikommen kann; er kommt ge­wöhnlich in großen Schwärmen, fürchtet sich kaum vor Menschen und noch viel weniger vor Ochsen, Kühen, Schafen usw., frißt ein Stück von dem einen hier, von einem anderen da, wo er nur ankommen kann. Auf diese Weise kommen wohl wöchentlich seit meh­reren Monaten Kühe usw., die beschädigt sind, nach der Werft, oder sie bleiben im Felde tot liegen. Er frißt im Laufen. Viele meiner Bethanier sagen dabei: „Der Herr hat es gegeben, sein Name sei gelobt.“ Einige möchten ihm wohl aus dem Wege gehen, aber Gottes Wort verlieren, scheint ihnen ein noch ärgerer Verlust zu sein.

Aber wir kehren zu unserer Busch­mannsjagd wieder zurück. Wenn er die beabsichtigte Nähe erreicht hat, so legt er behend den Straußenhals oben hinter seinen Kopf, schießt dann den Pfeil geschwind ab, in­dem er den Hals gleich wieder nimmt und sei­ne gewöhnliche Gestikulation fortsetzt und mit dem Wilde weiterläuft. Auf diese Weise geht er nicht nur auf die Jagd nach Straußen, sondern nach fast allem Wild, weil alle Tiere mit dem Strauß gern Gesellschaft halten. Es wird als glaubwürdig erzählt, daß der Busch­mann auch eine andere Art von Jagd verstehe, wenn er Elefanten jagen will. Diese ist, daß er sie mit Gesang heranlockt, dann beim Singen anhält, um einen Pfeil nach dem an­deren abzuschießen, bis der große Liebhaber des Gesanges als Opfer seiner Leidenschaft niederfällt. Es läßt sich durch Zeugen bewei­sen, jedoch nicht von den Buschmännern, wie ich mich später durch genauere Erkundigung überzeugt habe, sondern von den Namaquas (Topnatie) in der Umgebung von Walfisch­bai.

Andere Nahrung als Wild liefern ihm, zu­gleich auch anderen, der Honig, gebratene Heuschrecken, Wurzeln, Beeren, Damrazwiebeln usw. Sein Eß- und Trinkgefäß besteht meist wie das des Bergdamras aus einem Topf oder Napf oder aus Straußeneiern. Was das Gottesbewußtsein betrifft, so gilt bei ihnen, was vom ganzen Stamm (Khoi-khoin) ge­sagt ist, nur daß er die Heizi-Eibib-Gräber we­niger zu verehren scheint, sondern mehr den Fetischdienst mit den Bergdamras gemein hat. Alle Khoi-khoin und Bergdamras haben mehr oder weniger Gemeinschaft an allem. Man findet, wie es mir vorkommt, unter ihnen die Goelspflicht, Rachehilfe aus Bluts­verwandtschaft, Liebe und Treue, mehr als beim Hauptstamm im allgemeinen ausge­prägt, die jedoch zuweilen auch grausam ist.

Knudsen erzählt (Tagebuch Nr. 5) da­von folgendes Beispiel: Ein Buschmann, nicht weit von Bethanien, hat einen anderen beim Honigbiertrinken mit einem Pfeil ins Bein geschossen. Der Verletzte rächt sich auf der Stelle und schießt den Täter ins Herz, so daß er tot hinfällt. Des Ermordeten Bruder jagt dem Täter, der flieht, nach, kann ihn aber nicht einholen, er kehrt um und trifft des Mörders Frau mit einem Kinde im Fellsack. Er reißt es heraus, schleudert es in die Luft und fängt es mit der Spitze seines Speeres auf. Die Mutter rettet sich durch die Flucht, aber zwei andere Frauen aus der Verwandtschaft werden von ihm getötet.

Auf die Buschmänner möchte das von den Bergdamras mit Unrecht oder weniger Recht Behauptete mit vollem Recht ange­wandt werden, denn diese sind wirklich Men­schen auf der niedrigsten Stufe menschlicher Bildung, die nichts als Essen, Trinken und Tanzen kennen und in den Tag dumpf und stumpf dahinleben.

Die Art des Häuserbaues ist auch hier wie wohl überall und zu allen Zeiten ein wichtiger Kulturanzeiger des ganzen Vol­kes und bestätigt die eben ausgesprochene Meinung von den Buschmännern. Ihre Häu­ser bestehen meist aus einigen Büschen und Zweigen, unter und an einen Baum im Halb­kreis ohne Dach gelegt. Unter den Häusern dieser vier Stämme sind die Mattenhäuser der Namaquas die besten, darauf folgen die Viehdamrahäuser, nach diesen die Bergdam- rahäuser und zuletzt stehen die Buschmanns­häuser. Jedoch weiß ich nicht, ob man die Vieh- oder Bergdamrahäuser vorziehen soll.

 

Von den Herero

Die Kamacha (viel Rindvieh)- oder Ebene-damras sind schon berührt, was Charakter, Farbe, Sprache, Körperbau, Lebensmittel und Gottesbewußtsein betrifft. Ich kenne sie gar zu wenig und kann daher fast ebenso wenig von ihren Sitten und ihrer Beschäftigung sa­gen. Sie haben viel Rindvieh (oder wenig­stens viel gehabt), wie ihr Namaquaname ausdrückt. Dies ist ihr Unterhalt, und die Sorge ums Vieh ihre größte Beschäftigung außer der Jagd. In den drei Wochen, als ich mich zu Elberfeld aufhielt, kamen oft Dam- ras auf Besuch, aber ich sah an ihnen sonst nichts, als daß sie lebendig und sehr freund­lich-schmeichlerisch, gesprächig und außeror­dentlich bettelhaft waren.

Alles, was sie sa­hen, wollten sie haben und riefen immer ihr: „Barassa“! (du Reicher), klopften auf den Magen und zeigten an den Mund, wenn sie Speise verlangten, und brachen gewöhnlich in ihr langgezogenes und leichtfertig ausgespro­chenes „Jisch“ („isch“) aus, wenn es ihnen abgeschlagen wurde. Die Namaquas können zwar auch betteln, aber das ist gegen jene Art doch ganz höflich zu nennen.

Ihre Be­schäftigung war also betteln, besonders um Speise, Eisen für Ringe und Perlen. Kupfer oder Messing sah ich keinen tragen, weil es, wie sie sagen, die Augen verdirbt. Der Spieß kommt ihnen selten oder nie aus der Hand, außer wenn sie in der Kirche sind. Mit Jan Bam machte ich eine Reise zu einer benach­barten Werft, um ihre Häuser usw. zu sehen und zu zeichnen. Wir hatten keinen Damra-Dolmetscher mit und konnten deshalb nichts mit ihnen sprechen. Auch hier auf der Werft ließen sie nie ihre Spieße aus der Hand, so daß mein Dolmetscher (Paul Bantam) sich — vielleicht aus Furcht — so höflich zeigte, sein Gewehr ebenso bei sich zu tra­gen, wo er ging und stand.

„Es scheint“ wohl nicht nur so, daß die Viehdamra ei­nem noch roheren Stamme als der Bergdamra angehöre, er gehört wirklich dazu. Ihre Häuser sind zwar fester, aber doch niedriger und unterirdischer als die der Bergdamras. Ich kann nicht leugnen, daß mir der Auf­enthalt in ihnen etwas unheimlich war, denn die Leute hätten auch leicht auf irrige Ge­danken kommen können, weil wir nichts mit ihnen sprechen konnten und sie jetzt sahen, was sie nie gesehen, nämlich, daß ich mit Papier, Farbe und Bleifeder in der Hand ihre ledige Hütte besuchte und alles von innen und außen besah und zeichnete; ein Werk, welches sie ebenso leicht für Zau­berei und schwarze Künste als Zeichnen hal­ten werden.

Sie waren aber hier ebenso freundlich und bettelhaft wie zu Elberfeld, besonders was Tabak anging; sie reichten uns auch Milch oder saures Wasser aus ihren unerhört schmutzigen Bambussen (Kalebas­sen) . Man kann sich davon einen Begriff ma­chen, wenn man bedenkt, daß sie ihre Bam­busse oder Milchgefäße von dem Tage, wo sie gemacht werden, nicht waschen lassen, bis sie vor Alter unbrauchbar sind, weil sie durch das Waschen ihr Vieh und ihre Milch ze verlieren fürchten. Jeder wird verstehen, wie der Bambus nach zehn oder mehr Jahren ersehen mag. Es war mir beim besten Wil­len kaum möglich, ihn an den Mund zu setzen, aber um doch sagen zu können, ich habe daraus getrunken, wurde es gewagt.

Auch waren sie so freundlich und reichten uns vom erdrosselten Schaf ein gutes Stück und waren ungehalten darüber, daß wir nichts essen wollten. B a m gab ihnen durch Zei­chen zu verstehen, daß wir viel gegessen hat­ten, ehe wir von Hause weggingen. Eine der Frauen, die gern wissen wollte, ob mein klei­ner Jakob, der mit mir war, mein Sohn sei, machte ganz gute Zeichen, die schon zu einigem Beweis dafür angeführt werden dür­fen, daß sie mehr denken, als die Namaquas gewohnt sind, und ihr Singen mag dann noch als ein deutlicheres gelten.

Sie be­singen alles, was ihnen wunderlich vor­kommt, wenn es auch nur ein Stiefel wäre, und wenn sie guten Muts sind, gar allerlei und solche Dinge, die dem geschicktesten Dichter zu besingen schwer würden. So ka­men sie auch bald, wo ich zeichnete, und zeigten gleich ihre Geschicklichkeit. Die Art ihres Gesanges war freilich weder hochtra­bend noch zu vielen Variationen geneigt (vielleicht brachte das Thema es diesmal so mit sich), und was sie von dieser stillen Kunst gelallt haben, davon verstand ich nichts. Sie sprechen, wie schon bemerkt, eine weiche und schön klingende Sprache ohne Schnalztöne. Ihre Kinder sagen auch Mama.

Was von ihren Häusern und dem Ko­chen außerhalb derselben gesagt wird, ist richtig, nur daß sie nicht das ganze Haus mit Fellen bedecken. Die vier Häuser, welche ich da vorfand, waren alle von dünnen Stöcken schön zusammengesetzt, in Form eines Mat­tenhauses der Namaquas, aber kleiner (Re­genschirmform), so daß ich in dem größten in der Mitte noch sehr gebückt stehen mußte, und außen mit Kuhmmist bestrichen. Mitten im Dach war es aber an einer Stelle nicht ganz dicht gemacht, weil der Rauch dadurch seinen Ausgang suchen muß, da die Tür et­was zur Seite einen bis über die sehr niedri­ge Türöffnung gebogenen Vorsprung hat und nicht — wie bei den Namaqua-Mattenhäu- sern — anderswo hindurchziehen kann.

Ueber dies Loch oder die nicht ganz dicht zugemach­te Stelle legen sie ein oder mehrere Felle, die sie zur Seite schieben, wenn es zu warm ist oder wenn sie inne  ——  chen. Feuer machen diese alle d——- Reiben oder Wirbeln eines Sto——– chem Holz mit großem Mark a——— deren gleicher Art, der horizo——-welchem erst der Anfang zu ei——-macht wird, und auf welchem——gequirlt wird, bis beider Mark ——-rührt und zündet; wenn es gut ——–ert es nur eine Minute. Im Ha——– kein Bett oder Gerät, nur eine——- fen, einen Pfahl in der Mitte, an——-  Bambus hing, und einen Bogen.

Sie hatten gerade geschlach——– drosselt (sie schlachten, wie bek——– ders als durch Erwürgen), so——– lich, daß wir alle ganz fett un——  den. Sie beschmieren oder——-mit Fett, das mit rotem Ocker——– sehen ist. Dies mag vielleicht——– hauptung, daß ihre Haut „wie———- fenbein“ aussehe, Anlaß geg——-denn die natürliche Farbe ist, wi——– die der Bergdamras und nur ein——— zend.

Sie bekommen einen langen——–Bergdamras, rupfen ihn aber aus ———–darf kein langes Haar tragen; e——- ter Hirt; auf seinen Piff strö——– Vieh zu und geht, wenn er geh———-t er läuft, steht, wenn er steht. E——- Wenn sein Vieh den Geruch vo———– oder Nichtviehdamaras bekomm——— es wie wild nach Hause. Wir———- Trupp von über hundert Ochsen——– er meist zum Staat), die alle die———— men, sobald sie unseren Geruch——–  Vielleicht hatte diese Werft auf ———- eigenes Vieh aufzupassen.

Ihre Kleidung ist: ein Fe——— hinten; vorn über und hinten um——– len Riemen befestigt; diese gebra——- Teil, um sich damit zu bedecken——- besonders um seine Kirris oder——— einzustecken. Von den Frauen ist——-ken, daß die am Kopfe lang her——-; Streifen nicht Haare, sondern R——— Ihre Fellhüte sind nett, ma———— aber nicht betasten, denn diese————- mit Fett und Ocker beschmiert——— Vorn hängt ein Schleier dessel—– den sie beim Besuch von fremde

wie man erzählt, für einen Augenblick her­abrollen. Diese Art Hüte ist zugleich ein Zeichen, daß sie verheiratete Frauen sind. Um den Leib haben sie viele Eisenperlen. Aber auch alles, dessen sie habhaft werden können und was nach ihrem Geschmack schön ist, das hängen sie an den Leib, die Arme, den Kopf und an die Beine, so daß weiter nichts Bestimmtes dieser Art angegeben wer­den kann. Der Viehdamra gräbt neben den Rivieren tiefe Löcher und schöpft das Wasser heraus, nicht so der Namaqua, der, wenn das Wasser in dem Flußbett alle ist, gleich nach einem anderen Ort oder nach einer Quelle zieht. Seine Werft oder Wohnstätte umzäunt er mit Büschen, und zwar so, daß wenigstens eine Abteilung für Ochsen und eine andere für das Kleinvieh eingerichtet wird.

Hat ein Löwe Vieh geraubt, wird er gejagt, und zwar so, daß, sobald der Eigentümer des verlorenen Viehes sich dem Löwen genähert hat, alle zuspringen und ihn, während sie ihn festhalten, mit ihren Spießen und Knütteln totstechen und köpfen. Der Eigentümer kommt natürlich in der Regel am schlechte­sten weg. Daß sie als Stammeszeichen die zwei vorderen Unterzähne ausstoßen und die zwei oberen einfeilen oder eigentlich ein­hauen, so daß das Ganze etwa die Gestalt eines A bekommt, ist durchaus richtig. Zwei­en von ihnen habe ich den Mund geöffnet, um mich davon zu überzeugen (weil bei den meisten nur das obere Zeichen zu sehen ist). Nach allgemeiner Kunde ist kein Viehdam­ra, weder Mann noch Frau, weder Freier noch Sklave, von diesem Zeichen dispensiert. Sie sind wahrscheinlich Israeliten.

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